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Warum Festbrennweiten so gut sind?

Man könnte ja meinen, daß diese Frage rein philosophischer Natur sei. Dies ist aber nicht so. Auch ein Zoom hat seine Vorzüge. Dennoch kann ich nicht bestreiten, daß ich einer guten Festbrennweite den Vorzug gebe.

Meine Lieblinge an verschiedenen Sytemen

Micro Four Third (Crop 2)

Ein MFT-Sensor mit Cropfaktor = 2

Dieser Sensor ist recht klein aber dennoch für viele Aufgaben hervorragend geeignet. Umso wichtiger ist es mir, wenn ich mit einer guten Lise unterwegs sein darf. Glücklicherweise sind die Objektive ja so teuer, wie bei einer Mittelformatkamera, allerdings Schäppchen sind nun auch nicht zu erwarten.

Doch Qualität hat ihren Preis. Und man sollte sich nicht eine Superkamera kaufen, um dann billige Plastikscherben aufzuschrauben, oder?

Und so habe ich mich für die Olympus OM-Ds für ein  “Immerdrauf” entschieden. Das Olympus M.ZUIKO DIGITAL 17mm 1:1.8 ist für meine Anwendung bestens geeignet, um Portraits und Streets zu machen. Es gehört in die Premium-kategorie von Olympus und so im Mittelfeld einzuordnen. Mit einer Blende von f=1.8 kann man auch schon ein wenig freistellen. Das Gehäuse ist robust (Metall). Mit einem UVP von 549,00 ist es erschwinglich. Marktpreis liegt ~ 450,00.

Die klassische Portraitlinse ist hier wohl eher dann das M.ZUIKO DIGITAL 45mm 1:1.8 (entspricht einem 90mm auf der Vollformat). Der Charme der kürzeren Brennweite liegt aber darin, daß der Fotograf dem Objekt deutlich näher ist. Demzufolge sieht der Bildbetrachter ja auch aus derselben Perspektive – und ist dem Menschen einfach “näher”. Für intimere Fotos, die den Menschen in den (inhaltlichen) Mittelpunkt stellen sollte es also gerne weitwinkeliger sein. Der UVP ist mit 329,00 schon ein Schnäppchen. Und darum steht bei mir auf der Wunschliste ein ganz anderen Glas:

Das Voigtländer Nokton 10,5mm f=0,95 MFT ist aber mit rund 1.200,000 € dann doch nicht grad ein Schnäppchen.

Vollformat (Kleinbildformat)

Hier bewege ich mich gerne mit einem 35 mm auf der Leica M. Alles manuell und sehr langsam, doch geschieht hier das Einstellen doch schon automatisch und es bleibt genug Zeit, um zu sehen. Beobachten und einschätzen sind Prozesse, die ihre Zeit brauchen. Immer wieder erwische ich mich, wie ich mal eben schnell ein Sensationsfoto schießen will, weil eine Szene gefällt – und dabei wird vergessen, daß das Foto mehr benötigt, als das Auge sieht.

Bei meinem Oldie, der Nikon D700, verhält es sich ein wenig anders. Aufgrund der Größe kommt sie nur in speziellen Situationen zum Einsatz – dann auch schon mal mit Zoom – wobei hier gerne ein 50mm und das berühmte Makro mit 105mm zum Einsatz kommen. 50mm gilt immer noch als “Standardobjektiv”, welches gerne als “dem menschlichen Auge am nächsten” beschrieben wird. Das Makro wahr immer noch eine gewisse Diastanz zum Objekt und dreht das Verhältnis der Schärfebereiche um, was bei offenblendigen  Portraits oft nützlich ist.

Mittelformat

RZ67 in der Seitenansicht

Die Vorzüge einer Mittelformatkamera sind auch gleichzeitig ihre Nachteile. Größe bedeutet Gewicht – gleichzeitig verzeiht sie auch Fehler wesentlich ungnädiger. Nicht genau fokussiert? Foto ist Schrott. So einfach ist das. Handwackler entstehen beinahe zwansgläufig – selbst bei einigermaßen Übung kommt es immer wieder vor. Handyfotografen können sich da nur wundern.

Und natürlich muß hier auch ein Crop eingerechnet werden – allerdings umgekehrt. Und so nehme ich für die digitale Phase One gerne ein 80mm oder auch 110mm (je nach Sensor) und an der Mamiya RZ67 gerne ei9n “Immerdrauf mit 140mm (Makro).

Ein Experiment

Duisburg von unten

Ich übe mich immer wieder mal, indem ich mit EINER Kamera losziehe und nur EINE Festbrennweite anschnalle und mir EINE Aufgabe stelle. Der Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt.

So kann es sein, daß ich einfach losziehe um nach Struturen und Mustern zu suchen. Oder im Herbst laufe ich durch den Wald, um Pilze und herbstliche Objekte zu fotografieren, oder ich beobachte den Sonnenaufgang (meist doch lieber den Sonnenuntergang 😉 ). Die Welt ist zu jeder Zeit und bei jedem Wetter ein Foto wert. Momente werden geschenkt – doch sie anzunehmen und zu sehen ist halt Aufgabe des Fotografen.

Wer meinen Blog schon länger verfolgt, wird an “Frollein Leica in…” nicht vorbei kommen.

Warum denn nun kein Zoom?

Ein Zoom hat eine ganze Menge an zusätzlicher Mechanik. Und so “pumpt ein Zoom-Objektiv zwangsläufig die Luft (und somit auch Staub) ein und aus. Es “atmet”. Wer hier denkt, das sei nur bei den Objektiven, die nach außen größer werden, der irrt leider. Die andere Bauform ist größer und pumpt intern – was besser im Handling ist und etwas sicherer, doch das Prinzip bleibt: Sie sind Staubsauger.

Ein weiterer Aspekt ist das Gewicht. So ein Zoomobjektiv hat zwangsläufig mehr Glas verbaut und das wiegt halt. Je größerer der Durchmesser, desto größer das Glas (und dicker) und das Gewicht steigt schnell an.

Und bedenken wir doch einmal: Ein Objektiv ist rund, das Foto (der Film oder Sensor) aber rechteckig. Somit geht viel an Glaspotential für das Motiv verloren. Was auch das Gewicht beeinflußt.

Zu guter Letzt aber möchte ich auf die (relativen) Nachteile eines Zooms hinweisen: Es verhindert aktive Motivplanung. Man wird allzu leicht faul und zoomt sich ein Motiv heran – anstatt hier einen idealen Winkel und damit Brennweite zu erarbeiten; ist ja alles drauf … nur leider nicht ideal.

Festbrennweiten tun nicht nur etwas für die Gesundheit (man bewegt sich mehr), sondern lehren auch das sehen ganz neu (oder erneuert es). Der Blickwinkel steht fest und wir suchen gewungenermaßen nach dem besseren Standort – was oft zu Eskapaden führen kann, die mit einem Zoom niemals zustande gekommen wären.

Aktuell nutze ich diesen Effekt bewußt mit einem 35mm an meiner Leica M bei den Fotoaktionen “Frollein Leica in…” und bin überrascht, was dabei herauskommt. Sicherlich wünscht man sich dann gelegentlich doch einen Zoom – wird aber beloht mit Motiven und An-Sichten, die sonst erst garnicht entdeckt worden wären

Und was ist dein Favorit (oder “Traumobjektiv”?)

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Ich stimme zu.