Wann ist ein Foto genug Bild?

Die Frage nach dem „wann“ ist ein Foto fertig – oder – darf man Bildbearbeitung betreiben und „wenn“ ja, „wieviel“ und „was“ ist erlaubt? Ich weiß noch nicht einmal ob ich eine Antwort auf diese oder ähnliche W-Fragen habe. Geschmack liegt bekanntlich im Auge des Betrachters und wie die Frage nach Geschmack, denke ich, können auch die „W-Fragen“ nicht abklärend oder eindeutig beantwortet werden. Aber ich kann einige Feststellungen machen und meine Gedanken hierzu äußern.

Perfekt gibt es nicht

– Ein Gastbeitrag von Jörg Knörchen –

Das perfekte Bild gibt es nicht, zumindest nicht „out-of-the-box“ sprich aus der Kamera. Sollte man sich entschieden haben, im JPG Format zu fotografieren, dann steht mit dieser Entscheidung schon fest, es passiert eine Bildbearbeitung und zwar in der Kamera – also ist Bildbearbeitung für diesen Typ von Fotografen die Frage nach „ist Bildbearbeitung erlaubt“ bereits mit einem „Ja“ beantwortet worden.

Foto: Jörg Knörchen

Viele denken noch stets, wenn sie im JPG Format fotografieren und keine weitere Bildbearbeitung im Nachgang betreiben, sei das Foto fertig und unbearbeitet. Mag sein, dass sie es so sehen, aber im Grunde wurde das Foto bereits bearbeitet. Die Kamera interne Software, sprich die kleinste Dunkelkammer, hat aufgrund von Einstellungen und Aufnahmeparametern bereits zig Entscheidungen getroffen und eine Bildbearbeitung in Bezug auf Helligkeit, Weißabgleich, Schärfe, Kontrast und Farbesättigung getätigt. Letzten Endes war es sogar der Fotograf selbst, der die Vorgaben für diese Bildbearbeitung über die Einstellung in seiner Kamera gemacht hat.

Ich vergleiche das JPG gerne mit den Diapositiven aus der „guten alten Zeit“ meiner analogen Fotografie. Wenn ich von einem Dia einen Papierabzug haben wollte, musste ich das Bild scannen lassen, dabei war meistens ein Verlust in Kauf zu nehmen in Bezug auf Detailwiedergabe, Farbe und Qualität. So auch beim JPG, wenn ich das JPG als Grundlage zur weiteren Bildbearbeitung oder Optimierung nehme, dann leidet auch hier die Qualität des Bildes.

Foto: Jörg Knörchen

Das RAW Format wird bekanntlich auch gerne mit den Negativ aus der analogen Fotografie verglichen und nicht zu unrecht. Die Entscheidung im RAW Format zu fotografieren ist deshalb ein noch klareres „Ja“ auf diese Beantwortung der gleichen Frage ob Bildbearbeitung erlaubt ist oder nicht.

Da beim RAW-Format im digitalen Negativ fotografiert wird, benötigt das Bild auf jeden Fall eine Bearbeitung, sei es unter Umständen auch nur eine Bearbeitung mit den Einstellungen die die Kamera in das JPG-Vorschaubild des RAW Fotos gespeichert hat. Ohne eine Bearbeitung kommt das RAW-Bild weder auf den Bildschirm noch wird es ohne diese als gedruckte Version vor uns landen können.

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