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Meine Erfahrungen mit Leica M (Typ 240)

Für ein Spielzeug ist sie definitiv zu teuer. Doch ist so ein rein mechanisches/manuelles Gerät überhaupt praxistauglich? Wie ist das handling? Wie die Ergebnisse? Gibt es da nicht zuviel Ausschuß? Warum sollte man auf Autofokus & Co verzichten? Ist das nicht nur eine "Kopfsache" oder gar reine Eitelkeit?

Für ein Spielzeug ist sie definitiv zu teuer. Doch ist so ein rein mechanisches/manuelles Gerät überhaupt praxistauglich? Wie ist das handling? Wie die Ergebnisse? Gibt es da nicht zuviel Ausschuß? Warum sollte man auf Autofokus & Co verzichten? Ist das nicht nur eine “Kopfsache” oder gar reine Eitelkeit?

Zu den Geräteeigenschaften

Zu den technischen Daten will ich mich nicht äußern. Dazu gibt es reichlich Infos bei Leica und in zahlreichen Blogbeiträgen, wo die technischen Details zur Genüge durchgekaut und wiederholt und kommentiert werden.

Historisches

Foto: Presse Leica; Die Ur-Leica funktioniert immer noch

Zu der Zeit, da es noch Dinosaurier gab, wurde die Fotografie auf großen Bildplatten belichtet. Kameras waren schwer und unhandlich und es dauerte eine Weile, bis ein Reporter sein Bild für den Bericht schießen konnte. Wir kennen wohl alle die Aufnahmen, auf denen ein Fotograf hinter einem großen Kasten stand, mit dem Kopf unter einem Tuch verschwand und nicht selten ein Blitzgerät in einer Hand hielt, welches ein Pulver abbrannte, um Licht zu liefern. In Slapstick-Filmen kam es dann gerne zu einer Katastrophe.

Dies waren die Anfänge der Fotografie. Heute sind wir Lichtjahre davon entfernt – zum Glück. Doch der Weg war nicht einfach und von Versuch und Irrtum geprägt. Manch eine gute Idee hat sich auch nicht durchgesetzt, aber so ist es nun einmal.

Ein gewisser Oskar Barnack, leitender Angestellter bei Leitz Zeiss,  entwickelte daraufhin eine handliche Kamera, die von der Fachwelt zunächst nicht ernst genommen wurde. Man konnte sich einfach nicht vorstellen, wie ein Foto auf einem Negativ mit 36 x 24 mm abgebildet werden könne. Das Erstaunen war groß. War doch bislang der Leitgedanke der 1 : 1 Abbildung vorherrschend. Die Größe des Negatives bestimmte das Endergebnis in der Größe. Eine Vergrößerung war noch unbekannt und erschien selbst Fachleuten als Unsinn. Doch Barnack sollte Recht behalten und setzte ein Zeichen. Fast parallel gab es noch die Minox-Entwicklung, die sich aber nur in der Spionage durchsetzte. Der breiten Masse war sie nicht zu verkaufen.

Mein Weg zur Leica

Mein “Schatz” Phase One kann drinnen und draußen

Eigentlich ist mein Favorit bekanntlich das Mittelformat. Doch so eine Phase One (oder Mamiya RZ67) ist nicht für alle Zwecke die beste Lösung. Allem voran ist das Gewicht nicht ganz unerheblich. Da ist ja nicht nur die Kamera zu nennen, sondern auch das Zubehör wiegt immer etwas mehr, als üblich. Und so kommt dann gerne ein Gewicht von 10 – 15 kg zusammen – und ich finde das für einen Spaziergang dann doch etwas “too much”.

Und so war ich auf der Suche nach einer “Immer dabei”-Kamera. Sehr nett und auch brauchbar erschien mir die Olympus OM-D, doch zu der großen Liebe wurde es nicht. Meine Erste war die OM-D E M5, doch alleine die spaddeligen Knöpfe machten die Haptik zum Abenteuer. Besser war dann der Griff zu OM-D E M1. Hier war alles deutlich besser verarbeitet. Die Bildqualität war durchaus gut zu nennen. Als Microfour Third (MFT) aber kein Vergleich mit einem Mittelformat – kann ja auch nicht.

Durch meinen Buddy Patrick Ludolph (Hamburg) wurde ich dann auf Leica aufmerksam. Was mich hier anregte, war der Gedanke der (fast) totalen Kontrolle über das Foto und damit die manuelle Bedienbarkeit. Immerhin ist eine Leica nicht nur eine Kleinbild-Vollformatkamera, sondern auch eine rein manuelle Apparatur. Back to the roots. YES.

Die manuelle Arbeitsweise

Das pure Bedienkonzept der Phase One

Manuell zu arbeiten bedeutet nicht mehr, als immer zu wissen, welche ISO, welche Blende und welche Verschlußzeit man einstellen möchte. Der einzige Kompromiss bei Leica sind die Halbautomatiken Zeit- und Blendenautomatik.

Ob mir diese Art zusagen würde, konnte ich nur selbst ausprobieren. Doch sollte ich tatsächlich ca. 10.000 € für ein Experiment ausgeben? Ausleihen war fast unmöglich und eine Leihstellung von Leica scheint es nicht zu geben. Ich sollte hier Geld ausgeben und mir eine Leica leihen … bei dem Kaufpreis fast eine Frechheit. Hat mich Phase One da ein wenig verwöhnt? Oder war mein Verkäufer einfach nur besser?

Aber ich gebe nicht so leicht auf und habe mir für “kleines Geld” eine Leica M8 zugelegt, um die Technik einfach mal zu erleben. Die Haptik und die Handhabung sind ja schon sehr gewöhnungsbedurftig. Eine Leica ist halt kein Handschmeichler und die Bedienung muß man üben und vielleicht mag man sie dann auch irgendwann.

Besonders die manuelle Fokuseinstellung ist hier fummelig. Zwar ist der Blick durch den Sucher recht ordentlich, aber dann dieses kleine Feld im Sucher übereinander zu bekommen, muß man echt üben – vor allen bei offener Blende kann es da schon mal daneben liegen. Es ist nachvollziehbar, warum die Meßsuchertechnik sich nicht auf Dauer durchgesetzt hatte.

Doch EIN Gutes hat der Meßsucher. Man läßt sich Zeit beim Bildaufbau und erspart sich unsinnige Knipserei. So wird aus dem Nachteil manchmal auch einVorteil – wer hätte es gedacht.

Voll manuell im Programm

Meica M8

Wie schon erwähnt gibt es noch Halbautomatiken, die die Leica anbietet. So kann ich eine Blende vorgeben und die Belichtungszeit wird automatisch angepaßt. Oder umgekehrt kann ich die Belichtungszeit vorgeben du erhalte die relativ beste Blende automatisch. Diese Version ist durchaus angenehm – vor allem bei wechselnden Lichtverhältnissen. Im Studio braucht man dies nicht, doch ist für mich eine Leica M auch keine Studiokamera. Es geht natürlich, aber ist keine ideale Lösung. Da spielt die Phase One definitiv ihre Trümpfe in allen Kategorien aus.

Ein gewagter Schritt?

Leica M (Typ 240) und Leica M8

Was mir besonders an der M8 gefiel, war der Charme der Bilder. Hier hat der CCD-Sensor tatsächlich seine Stärke ausgespielt. Leider kann er bauartbedingt nicht so mithalten bei den hohen ISO-Werten und ist bei ISO400 echt an seinen Grenzen gelandet. Doch der Look ist schon wunderschön – wenn man genug Licht zur Verfügung hat.

Und wie der Zufall will, ergab sich ein günstiger Erwerb einer Leica M (Typ 240). Nun mit CMOS-Sensor und 24 Megapixel war ich (fast) oben angekommen. Ein wenig dicker und doch fast vertraut ist die M (ohne Nummer im Namen) einfach meine “Immer-dabei”Kamera geworden. Hohe Auflösung, und höhere ISO-Werte haben die M8 letztendlich verdrängt.

Was bei der Leica M noch zu erwähnen wäre: Wenn ich Menschen fotografiere, dann ist die Barriere nicht so hoch. Irgendwie nimmt man den Fotografen mit dem kleinen Gerät in der

Leica M8 und Leica M (Typ 240)

Hand nicht so ernst. Die Folge sind oft entspanntere Modelle, die denken, man arbeite ja noch mit Film und dann wird es schon nicht so schlimm sein. 🙂

 

Objektive für Leica M sind in der Tat immer deutlich kleiner, als vergleichbare Gläser anderer Hersteller. Dies ist bedingt dadurch, daß hier kein Autofokus verbaut werden mußte – und sicherlich auch eine penibel ausgeklügelte Bauweise.

Was mich immer wieder begeistert, sind die Objektive. Kann man doch (fast) alle Leica M Objektive auf alle Leica Ms aufschrauben und es gibt einige Dritthersteller, die auch preiswertere Gläser anbieten, die auch recht ordentliche Leistung abliefern.

Mein persönliches Fazit

Holger Reich mit Leica M

Mir persönlich hat die Leica es angetan. Den Vergleich mit einer MIttelformatkamera will ich garnicht anstellen. Auch ein überteuerte (?) Leica kann hier nicht mithalten. Doch sehe ich das Ganze pragmatisch. Jede Kamera dient einem ganz besonderen Zweck und ist an einer Stelle sehr gut und an anderer Stelle wieder nicht.

Warum sollte man ein System gegen das Andere ausspielen? Dieser Markenhype ist doch für echte Fotoenthusisten  zu albern. Letztendlich zählt doch das Ergebnis – am besten, wenn man es in Händen halten kann; ausbelichtet oder als Fine Art Print. Alles andere ist mir zu flüchtig und vergänglich (und abhängig vom Betrachtungsgerät).

Und so genieße ich die Unauffälligkeit und Leichtigkeit der Leica M, mache damit Reportagen und staune immer wieder, wie diese kleine Ding doch gute Bilder liefern kann.

Was ich ebenfalls erfreulich erlebe ist die große Zahl der möglichen Objektive. Auch wenn hier z.Zt. Beutelschneiderei sein Unwesen treibt. Es wird viel Schrott an Unbedarfte für viel Geld verscherbelt – nur weil Leica oder Leitz drauf steht. Da bekommt man für andere Systeme und Marken echte Neuware geliefert. Wie überhaupt die Preispolitik sich mir bei Leica nicht erschließt. So wurde die neue Leica M10 für 6.500 € (nur Body) eingeführt, um kurz darauf um ein paar hundert Euro angehoben zu werden. Dabei sind sich die M und die M10 nahezu identisch. Na ja, man muß diese Dinge ja auch nicht verstehen – und letztendlich bestimmt der Markt, ob er ein Produkt annimmt oder nicht. Solange sie Spaß macht und gut funktioniert, ist die M eine gute Wahl und ob der Service dem Preis gerecht wird, wird man vielleicht sehen. Um an eine Phase One Service ran zu kommen müssen Leicas noch ne Menge rudern (zumindest vertrieblich gesehen).

Ansichtssachen

Frontansicht der Leic M (Typ 240)

Rückansicht der Leica M

Leica M von unten 🙂

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Comments (4)

Die Leica M9 erlaubt also „nur“ manuelles Scharfstellen, richtig ? Umso erstaunlicher diese super Ergebnisse.

Ja, leider keine Chance auf Autofokus. Das Arbeiten erfordert etwas Übung und viel Konzentration – aber es lohnt sich, wenn man sowas mag. So ist es bei der ganzen “M”-Reihe.

Hallo!

Ich sehe Sie sind (wie ich) Brillenträger, wie verhält sich das denn bei der M240?

Von “Sucher zerkratzt Brillengläser” bis hin zu “Brennweiten/Sucherrahmen <35mm sind nicht nutzbar"
habe ich einiges gelesen bzw. gesagt bekommen, so dass ich aktuell eher zur (leider deutlich teureren)
M10 tendiere…

Ihre Erfahrungen diesbzgl. wären sehr interessant.

Mfg

Tim Kapffenstein

Für mich war die Brille kein Hindernis. Allerdings bin ich Lesebrillenträger/bzw. Bildschirmarbeitsplatzbrille. Ausschlaggebend letztendlich für den Verkauf meiner gesamten Leicaausrüstung war, daß ich den Schritt in Richtung Mittelformat konsequenter vollzogen habe. Ich weiß, es ist nicht vergleichbar, hängt aber mit meiner Art zu arbeiten zusammen. Wer entschleunigt und puristisch fotografieren mag, ist mit leica immer noch gut beraten – wenngleich es doch unangemessen teuer ist.

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