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Heimat in der Fotografie?

Jahrzehntelang war der Begriff “Heimat” verpönt und wurde mit Spießigkeit, Langeweile und Zipfelmützen verbunden. War dies doch eine Gegenreaktion auf den Mißbrauch, den dieser Begriff im Dritten Reich erfahren hatte.

Jahrzehntelang war der Begriff “Heimat” verpönt und wurde mit Spießigkeit, Langeweile und Zipfelmützen verbunden. War dies doch eine Gegenreaktion auf den Mißbrauch, den dieser Begriff im Dritten Reich erfahren hatte. Dort wurde Heimat und auch Familie in kitschigen Posen dargestellt und zum Ideal im Sinne der Regierung idealisiert. Also kein Wunder, daß die “68er”-Generation hier rebellierte und sich von der Naziideologie distanzieren wollte. Umso verwunderlicher ist es, wie genau dieser Begriff der Heimat durch die Politik grad heute wieder instrumentalisiert werden soll. Sogar ein Heimatministerium wird da eingeführt.

Bildsprache Fotografie

Insel Rügen – Heimat und Urlaubsinsel zugleich

Denke ich an Heimat und Heimatbilder, dann fallen mir zuallererst die Kitschmotive der letzten Jahrzehnte ein. Heile Welt, Papa, Mama und zwei Kinder, Fotos vom “Vater Rhein” in allen Facetten etc.

Doch ist das wirklich Heimat? Woran mache ich diesen Begriff für mich selbst fest? Gibt es eine Heimat für alle oder sind wir nicht überall nur Gäste? oder Durchreisende? Ist Heimat nicht ein Ort des Herzens? Unweigerlich fällt mir da ein Zitat von Immo Karaman ein: “Heimat” so sagt er “benennt die eigene Lebenssituation und wie ich ihr begegne. Eine emotionale, politische und philosophische Frage des ‘Wo bin ich?’, die nicht mit dem Finger auf dem Globus beantwortet werden kann.”

Heimat ist Verbindlichkeit

Zeche Zollverein – Symbol für eine Heimat, wie sie sie nicht mehr gibt

So ganz nebenbei breitet sich eine Szene der Unverbindlichkeit aus. Menschen, die in Deutschland leben, die Freizügigkeit genießen, nicht selten sogar Wohlfahrt in Anspruch nehmen und sich allzu gerne der Meinungsfreiheit bedienen. Im gleichen Atemzug betonen diese immer wieder, daß dieses Deutschland NICHT ihre Heimat sei, sondern ein vollkommen anderes Land. Dies als Schmarotzertum zu benennen dürfte wohl noch ein recht freundliches Prädikat sein. Reichsbürger sind heimatlos und suchen ihre Identität in einer toten Vergangenheit.

Und so werden alte Bilder und Fotos bemüht, die dem eigenen Dasein Grundlage und Sinn geben soll

Heimat als Sinngeber

Flensburg 2017

Will ich denn mit dem Heimatbegriff meinem Leben einen Sinn geben? Kann dies denn funktionieren? Ich denke nicht. Den Sinn des Lebens habe ich (zumindest für mich) schon lange gefunden. Er nährt sich glücklicherweise nicht auf Zeitströmung oder Parteiweltanschauung. Darum kann ich mit dem Begriff Heimat auch so entspannt umgehen. Ich brauch kein MInisterium für Heimat, welches mir einreden muß, was Heimat für mich zu sein hat.

Heimat läßt sich nicht allein mit Geocache-Daten definieren. Heimat sind für mich die Menschen, die mir – und ich denen – mit Respekt oder gar Liebe begegne. Wir sprechen eine gemeinsame Sprache – auch wenn Dialekt oder Bildung hier Unterschiede geprägt hat. Meine Heimatmenschen sind die, mit denen ein reger Austausch stattfinden kann – aber nicht immer zwingend und ständig muß.

Wie gesagt ist Heimat nicht eindeutig mit dem “Finger auf der Landkarte” zu finden.

So ein Kotten kann Heimat gut zum Ausdruck bringen

Heimat zum Thema gemacht

So habe ich das Thema Heimat zum Projektthema erhoben. Freie Themen haben den Vorteil reifen zu dürfen. Die Vernissage mit dem Schauspielhaus/Oper Wuppertal ist da wein herrlicher Startschuß für mich, hier mit sehenden Augen und offenem Ohr mich dieser Welt zu stellen und die Herausforderung anzunehmen.

Da ich ja sowieso eher zu den Grüblern gehöre und ständig über etwas brüten kann, ist es eine angenehme Herausforderung, bei der ich nur gewinnen kann. Hat doch kürzlich ein 6-jähriger Bub gesagt, ich würde noch total lange leben, ich stürbe erst, wenn er 13 oder sogar 14 Jahre sei. Dann habe ich ja noch viel Zeit und werde die Tage nutzen. Vielleicht finde ich Motive mit Botschaft, die nicht nur gefallen, sondern länger im Gedächnis bleiben, als ein Fingerwischen auf dem digitalen Pad.

Und so gilt es, Motive zu finden, die im Hier und Jetzt eine Aussage machen können, was ICH – und vielleicht auch der Nächste (?) – für sich finden kann
Menschen gehen auf die Straßen, um eine neue Heimat zu finden …
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Comments (1)

Fotografie ist eine großartige Möglichkeit, die Einstellung zur Heimat auszudrücken. Du kannst keine gute Aufnahme machen, wenn das, was du siehst, keine Emotionen bei dir auslöst. Guter Beitrag, danke!

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