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Frollein Leica rief

Frollein Leica rief ...
… und ich antwortete, weil ich den Menschen Holger Reich kennenlernen wollte. Die Idee, dass sich zwei ambitionierte Fotografen und Blogger treffen, um gemeinsam durch Wuppertal zu schweben und sich dabei von ihrer Leidenschaft (an)treiben lassen, fand ich faszinierend. Ich erhoffte mir, durch die Sicht- und Denkweise eines anderen Fotografen neue Impulse für meine eigene Fotografie – die zur Zeit ein wenig im „Kreatief“ hängt – zu bekommen.
Christian Bockelmann

Ein Gastbeitrag von Dr.Christian Bockelmann

Frollein Leica rief …

… und ich antwortete, weil ich den Menschen Holger Reich kennenlernen wollte. Die Idee, dass sich zwei ambitionierte Fotografen und Blogger treffen, um gemeinsam durch Wuppertal zu schweben und sich dabei von ihrer Leidenschaft (an)treiben lassen, fand ich faszinierend. Ich erhoffte mir, durch die Sicht- und Denkweise eines anderen Fotografen neue Impulse für meine eigene Fotografie – die zur Zeit ein wenig im „Kreatief“ hängt – zu bekommen.

Nach Oberbarmen

Wir trafen uns an der Schwebebahn-Endhaltestelle in Vohwinkel und begannen die Tour erst einmal mit einem Kaffee und einem „Kennenlern“-Klönschnack. Danach nahmen wir die Schwebebahn Richtung Oberbarmen. Doch leider konnten wir auch in Richtung Oberbarmen dem unbarmherzigen „Wupper-taler Sonnenschein“ nicht entkommen…

Holger schlug vor, dass wir uns fotografisch mit dem Thema „Licht und Schatten“ in S/W auseinandersetzen könnten und er schlug als Location die Unterführungen am Alten Markt in Barmen vor.

Metall

Als sie erbaut wurden, waren die Unterführungen sicherlich Schmuckstücke der urbanen Nachkriegsentwicklung in Wuppertal und trennten Fußgänger und Autos. Ich selbst kann mich noch an die Unterführung vom Kaufhof Barmen zum Schwebebahnhof „Alter Markt“ erinnern. Dort gab es damals noch Geschäfte.

Heute sind die Tunnel oberirdischen Ampelanlagen gewichen und die verbliebenen fristen ein eher tristes Dasein und verursachen bei den meisten Benutzern eher ein beklemmen-des Gefühl.

Hier fotografieren ?

Hier fotografieren!

Eingang zur Unterwelt

Ja – die eigene Komfort-Zone verlassen und etwas Neues machen. Die Location und S/W waren Herausforderungen, die ich annehmen wollte.

Was macht der da?

Während Holger schnell ein Motiv fand, musste ich umdenken. Auf diesen Ort war ich nicht vorbereitet. Aber genau das war ja das Gute! Der Impuls! Motive in dieser tristen Umgebung sehen lernen.

Licht

Licht. Ja, in dieser Umgebung fehlt erst einmal das Tageslicht. Fotografisch eine Frage von ISO, Blende und Verschlusszeit – Basics.

Aber was ist „Licht“ in dieser Umgebung ? Die Umgebung wird durch Leuchtstoffröhren kalt und unsympathisch beleuchtet. Reduziert auf schwarz-weiß drängen sich Formen und Linien in den Fokus des Sehens.

Beklemmung

Schnellen Schrittes mit gesenktem Blick durchquerte diese Fußgängerin die Unterführung. Man merkte ihr an, dass sie diesen Ort nicht einladend fand und möglichst schnell wieder an die Oberfläche wollte. Beklemmung ? Furcht ?

Im Übrigen: mein erstes Street-Foto. Tatsächlich etwas Neues gemacht. Und es fühlte sich interessant an.

Eilig

Zwar regnete es in der Unterführung nicht, das Wasser fand aber durch Undichtigkeiten doch einen Weg in die Unterführung und bildete eine Pfütze. Nein, keine Pfütze – einen Spiegel, in dem sich Lampen, Wände und Passanten spiegelten. Banalität neu gesehen.

Glas

Und irgendeiner zerdeppert immer Flaschen in Unterführungen. Aber selbst die Scherbe auf der Treppenstufe ist plötzlich ein Motiv…

Mini

Aber – trotz des Regens – verließen wir Wuppertals unterirdische Fußgängerwege und fanden uns unter dem ehemaligen Kaufhof-Parkhaus wieder.

I´m alive

Vor dem Opernhaus „besuchten“ wir die chromglänzende Skulptur „I’m alive“ von Tony Cragg. Mitten auf dem Grünstreifen der B7. Die Skulptur erlaubt interessante Durchblicke auf den Verkehr der B7 und bietet Spiegelungen ohne Ende. Schade, dass gerade keine rote Schwebebahn vorbeikam.

Gegensatz

Hinter dem Opernhaus dann diese Location: eine alte Tankstelle – vom Baustil her wohl in den 1950er oder 1960er Jahren erbaut. Damals gab es dort nur Benzin, Ölstandskontrolle und Reifenluftdruckkontrolle – natürlich vom freundlichen Tankwart.

Heute – vor dem Hintergrund der niemals geschlossenen Mini-Supermärkte mit angeschlossenem Benzinverkauf – nehmen die modernen Autofahrer diese verfallenden Automobilisten-Tempel nicht einmal mehr wahr.

Fotos  und Text: Christian Bockelmann

Portrait von Christian (natürlich): Holger Reich

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