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Die XF im harten Einsatz

Ich möchte garnicht lange Drumherum reden: Ich will es wissen. Ist die Phase One XF nun wirklich soviel besser, als meine gute alte 645DF+?

Ich möchte garnicht lange Drumherum reden: Ich will es wissen. Ist die Phase One XF nun wirklich soviel besser, als meine gute alte 645DF+? Oder erweisen sich die vielen Features als Schall und Rauch? Muß ich mir was einreden oder setzt sie sich echt im Alttag durch, um die Portraits zu schießen, die ich im Kopf habe und die Landschaftsfotografien, die sich mir eröffnen?

Ich will hier keine Rechtfertigung und auch nicht unbedingt die Bewunderung meiner Leser. Mit Vernunft hatte die Kaufentscheidung nun wirklich nichts zu tun. Es geht ausschließlich um Leidenschaft für perfekte Fotos. Und dies soll mein Maßstab sein. Und so habe ich einen ganzen Tag mit Fotografie verbracht. Zum Einen war ein Outdoor-Portraitfoto dran (die Bilder zeige ich leider nicht), dann ein Hundeportrait von Ivy und zu guter Letzt habe ich mir ein paar Landschaftsmotive vorgeknöpft. Insbesondere suchte ich noch ein Motiv für meine Ausstellung im Mai – ich verrate soviel: Ich habe es gefunden.

Erste Aufgabe: Portraitshooting

Leider kann ich die Fotos hier nicht zeigen, doch kann ich hierzu dennoch ein Feedback geben.

Der Lichtschachtsucher ist für Portraits wirklich eine hervorragende Sache. Kenne ich ihn doch schon von der analogen Mamiya RZ67 und war durchaus ein bissel verliebt. Und zwar ist ein wesentlicher  Charakterzug der tiefere Bildblickpunkt. Automatisch nimmt man eine tiefere Sicht an und schaut nicht mehr von oben nach unten. Stehen die meisten Fotografen doch mit gradem Rücken vor ihren “Opfern” und knipsen Serien, was das Zeug hält.

Diese alte Art der Sichtweise (leicht tieferer Standpunkt) gibt den Fotos sofort einen anderen Charakter. Das Modell wird “aufgewertet” und rückt optisch in das Zentrum der Bildgestaltung. Besonders, wenn der ganze (oder halbe) Körper noch mit aufs Bild muß, werden die Proportionen angenehmer und sind charmanter.

Stellvertretend muß hier mal der Maurice als Muster herhalten 😉

Zum Anderen ist die Arbeit mit dem Lichtschachtsucher definitiv nichts für schnelle Bilder. Da das Bild im Sucher immer seitenverkehrt ist, macht die Bildgestaltung schon etwas mehr Mühe. Es erfordert etwas Übung, damit umzugehen – noch mehr Übung, dies in seine Kreativität einzubinden.

Doch das Ergebnis lohnt sich in jedem Fall. Weniger technischer Ausschuß und dann auch gleich bessere Kompositionen sind der Lohn. Wenn man Zeit hat, ist das eine tolle Sache. Nur einen Nachteil gibt es dann doch: Hochformat geht nicht. Der Sensor läßt sich nicht drehen, so wie es bei der Mamiya RZ67 mal war. Damit kann man leben, wenn man so viel Pixel hat, kann nachträglich noch geschnitten werden – ist aber nicht ideal.

Zweite Aufgabe: Hundeportrait

Glücklicherweise ist unsere Ivy eine Seele von Hund und selten ein Ausbund von extremen Emotionen. Sie ist ein “Trösel” (kennt jemand das Wort?) und kann stundenlang rumlungern – solange es kein Futter gibt. Und so gelangen auch ein paar wirklich schöne Aufnahmen. Meist offenblendig (!) mit f=1:2.8 traf ich doch meistens den passenden Schärfebereich. Manchmal traf ich zwar dann doch nur die Nase und die Augen wurden unscharf, doch da hier Zentralfokus eingestellt ist, gelang es meist wunschgemäß.

Ob die Kamera wirklich meinen Fokusschwenk gelernt und ausgeglichen hat kann ich noch nicht bestätigen – soll aber tatsächlich funktionieren. (Im Exkurs erkläre ich, was das ist).

Und wieder der Vorteil, daß ich mich nicht in den Dreck legen mußte, war von bildgestalterischer Wichtigkeit. Im Wald sollte man nur die Augen offen halten, wenn man rückwärts geht – denn so hatte ich dann doch mal “Bodenkontakt” (der Kamera ist aber nix passiert).

Exkurs: Der Fokusschwenk

Moderne Kameras haben ja mittlerweile zahlreiche Fokusmeßpunkte. Dennoch gibt es die Technik bei Fotografen, den Fokuspunkt anzuvisieren (z.B. auf die Augen), durch leichtes Drücken des Auslösers zu fixieren und DANN das Bild zu gestalten und den Bildausschnitt zu wählen und dann ihr Foto zu schießen. Bei Blende 8 oder 9 ist dies i.d.R. auch unkritisch und ermöglichst ein ordentliches Foto.

Dennoch darf man nicht verschweigen, daß der Schärfebereich so verschoben wird. Die Augenschärfe wird durch das Verschwenken (unmerklich?) verschoben. Geübte Fotografen wissen dies und gleichen es soweit möglich aus oder nehmen es in Kauf.

Fummelig wird es, wenn man offenblendig arbeitet und so einen extrem kurzen Schärfebereich hat. Dann ist Ausschuß vorprogrammiert.

Die folgenden Aufnahem wurde alle mit einem 80mm Objektiv mit Zentralverschluß gemacht. Dies entspricht etwa 68mm Kleinbildformat. Grundsätzlich eingestellt war ISO 50 und eine offene Blende von f=1:2.8. Da der Himmel stark bewölkt war und ständige Messungen erforderlich gemacht hätte, überließ ich die Belichtungszeit der Automatik. Bei Tieraufnahmen im Freien meine erste Wahl – auch wenn ich Freund des M-Modus bin 😉

ISO 50, Blenden 2.8, 1/800tel Sekunde

Hier sieht man es, daß ein großer Sensor auch keine Fehler verzeiht. Offenblendig sind die Augen scharf, die Nasespitze aufgrund der Nähe zum Objekt aber schon unscharf. Ist kein Drama, da die Augen wichtiger sind, kann aber auch total doof aussehen …

ISO50, Blende 2.8, 80mm, 1/500 sec.
ISO50, Blende 2.8, 1/1.000 sec

Dritte Aufgabe: Landschaftfotos

Hier suchte ich ein spezielles Motiv, welches zum Thema meiner Ausstellung (HEIMAT.LOS) passen sollte (werde ich hier nicht zeigen) und es sollten einfach ein paar ordentliche Motive aufs Korn genommen werden.

Zum Einsatz kamen hier das 80mm und das 55mm Objektiv (68mm und 46mm Kleinbild, auf IQ140 gerechnet) und mein 100mm Steck-Filtersystem, um hier längere Belichtungszeiten nutzen zu können.

Die lange Belichtungszeit ging nur mit einem Graufilter ND8 (Neutral Density x 8)

ISO50, Blende 11, 4 sec

Nun bin ich kein großer Freund von übermäßigem Weichspülen von Wasser, doch wollte ich es einfach mal wissen. Wie sit das so mit dem Erschütterungsvermeidungen – und ich denke, ich kann zu frieden sein. Solange noch Wanderer trampeln oder sonstige Störungen uns attackieren wird die Auslösung verhindert (wenn man es will!). Cool.

ISO50, Blende 11

Zu guter Letzt will ich noch sagen, daß die Bildbearbeitung mit Capture One Pro 11 erfolgte und sich ausschließlich auf die Beurteilung der Schärfebereiche beschränkte, Anhebung von Kontrasten und leichtes anheben der Dynamik – sonst nix. Man könnte noch einiges mehr machen und es sind noch viele andere Motive entstanden – UND – ich bin zufrieden.

Was will ich mehr?

(ich hätte da schon eine Idee: Ein Prismensucher – besonders für Hochformataufnahmen und Tierfotografie wäre nicht schlecht, ein 110 mm Objektiv, ein Makro, ein 50 oder 80 MP-Rückteil … seufz)

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