Fotoreiseziel Normandie

Wie nah doch das Schöne liegen kann, zeigte uns eine knapp 2-wöchige Reise mit dem Wohnmobil in die Normandie. Der am weitesten gelegene Punkt war das Kloster St. Michel (ca. 800 km) und von dort aus “tropften” wir die Küste entlang in Etappen zurück in Richtung Heimat.

Hierzu einen Bericht zu schreiben, würde den Blog sprengen, doch die Bilder erzählen sicherlich genug, um Fernweh ins nähere Umland zu beflügeln.

Frollein Leica rief …

… und ich antwortete, weil ich den Menschen Holger Reich kennenlernen wollte. Die Idee, dass sich zwei ambitionierte Fotografen und Blogger treffen, um gemeinsam durch Wuppertal zu schweben und sich dabei von ihrer Leidenschaft (an)treiben lassen, fand ich faszinierend. Ich erhoffte mir, durch die Sicht- und Denkweise eines anderen Fotografen neue Impulse für meine eigene Fotografie – die zur Zeit ein wenig im „Kreatief“ hängt – zu bekommen.  
Wir trafen uns an der Schwebebahn-Endhaltestelle in Vohwinkel und begannen die Tour erst einmal mit einem Kaffee und einem „Kennenlern“-Klönschnack. Danach nahmen wir die Schwebebahn Richtung Oberbarmen. Doch leider konnten wir auch in Richtung Oberbarmen dem unbarmherzigen „Wuppertaler Sonnenschein“ nicht entkommen… Holger schlug vor, dass wir uns fotografisch mit dem Thema „Licht und Schatten“ in S/W auseinandersetzen könnten und er schlug als Location die Unterführungen am Alten Markt in Barmen vor.
Als sie erbaut wurden, waren die Unterführungen sicherlich Schmuckstücke der urbanen Nachkriegsentwicklung in Wuppertal und trennten Fußgänger und Autos. Ich selbst kann mich noch an die Unterführung vom Kaufhof Barmen zum Schwebebahnhof „Alter Markt“ erinnern. Dort gab es damals noch Geschäfte. Heute sind die Tunnel oberirdischen Ampelanlagen gewichen und die verbliebenen fristen ein eher tristes Dasein und verursachen bei den meisten Benutzern eher ein beklemmendes Gefühl. Hier fotografieren ?
Hier fotografieren! Ja – die eigene Komfort-Zone verlassen und etwas Neues machen. Die Location und S/W waren Herausforderungen, die ich annehmen wollte.
Während Holger schnell ein Motiv fand, musste ich umdenken. Auf diesen Ort war ich nicht vorbereitet. Aber genau das war ja das Gute! Der Impuls! Motive in dieser tristen Umgebung sehen lernen.
Licht. Ja, in dieser Umgebung fehlt erst einmal das Tageslicht. Fotografisch eine Frage von ISO, Blende und Verschlusszeit – Basics. Aber was ist „Licht“ in dieser Umgebung ? Die Umgebung wird durch Leuchtstoffröhren kalt und unsympathisch beleuchtet. Reduziert auf schwarz-weiß drängen sich Formen und Linien in den Fokus des Sehens.
Schnellen Schrittes mit gesenktem Blick durchquerte diese Fußgängerin die Unterführung. Man merkte ihr an, dass sie diesen Ort nicht einladend fand und möglichst schnell wieder an die Oberfläche wollte. Beklemmung ? Furcht ? Im Übrigen: mein erstes Street-Foto. Tatsächlich etwas Neues gemacht. Und es fühlte sich interessant an.
Zwar regnete es in der Unterführung nicht, das Wasser fand aber durch Undichtigkeiten doch einen Weg in die Unterführung und bildete eine Pfütze. Nein, keine Pfütze – einen Spiegel, in dem sich Lampen, Wände und Passanten spiegelten. Banalität neu gesehen.
Und irgendeiner zerdeppert immer Flaschen in Unterführungen. Aber selbst die Scherbe auf der Treppenstufe ist plötzlich ein Motiv…
Aber – trotz des Regens – verließen wir Wuppertals unterirdische Fußgängerwege und fanden und unter dem ehemaligen Kaufhof-Parkhaus wieder.
Vor dem Opernhaus „besuchten“ wir die chromglänzende Skulptur „I’m alive“ von Tony Cragg. Mitten auf dem Grünstreifen der B7. Die Skulptur erlaubt interessante Durchblicke auf den Verkehr der B7 und bietet Spiegelungen ohne Ende. Schade, dass gerade keine rote Schwebebahn vorbeikam.
Hinter dem Opernhaus dann diese Location: eine alte Tankstelle – vom Baustil her wohl in den 1950er oder 1960er Jahren erbaut. Damals gab es dort nur Benzin, Ölstandskontrolle und Reifenluftdruckkontrolle – natürlich vom freundlichen Tankwart. Heute – vor dem Hintergrund der niemals geschlossenen Mini-Supermärkte mit angeschlossenem Benzinverkauf – nehmen die modernen Autofahrer diese verfallenden Automobilisten-Tempel nicht einmal mehr wahr.
Nach einer ausführlichen „Klönschnack-Pause“ in der Barmer Fußgängerzone gingen wir durch den Regen zum Schwebebahnhof „Werther Brücke“, um zurück nach Vohwinkel zu schweben.    
Auf dem Rückweg nach Hause schwirrten meine Gedanken um das Erlebte und ich versuchte, für mich ein fotografisches Fazit des Tages zu ziehen:   Man kann im Regen fotografieren. Und es macht Spaß.   Man kann überall Motive finden – erst recht an Orten, an denen man sie nicht erwartet. Das Sehen ist das Wesentliche.   Nimmt man die Farbe aus dem Bild, bleiben Formen, Linien und Inhalte.   Nicht immer muss ein Bild technisch einwandfrei sein, um zu wirken.   Mein persönliches Fazit: Danke, Holger! Das kam jetzt zur richtigen Zeit mit den richtigen Worten. Es war ein Vergnügen mit Dir bei Regen durch Wuppertal zu schweben. Ich hoffe, dass Du auch gerne an diesen Tag und einen (Amateuer)Fotografen aus Schwelm zurückdenkst.  

Christian Bockelmann
 

Wann ist ein Foto genug Bild?

Die Frage nach dem „wann“ ist ein Foto fertig – oder – darf man Bildbearbeitung betreiben und „wenn“ ja, „wieviel“ und „was“ ist erlaubt? Ich weiß noch nicht einmal ob ich eine Antwort auf diese oder ähnliche W-Fragen habe. Geschmack liegt bekanntlich im Auge des Betrachters und wie die Frage nach Geschmack, denke ich, können auch die „W-Fragen“ nicht abklärend oder eindeutig beantwortet werden. Aber ich kann einige Feststellungen machen und meine Gedanken hierzu äußern.

Perfekt gibt es nicht

– Ein Gastbeitrag von Jörg Knörchen –

Das perfekte Bild gibt es nicht, zumindest nicht „out-of-the-box“ sprich aus der Kamera. Sollte man sich entschieden haben, im JPG Format zu fotografieren, dann steht mit dieser Entscheidung schon fest, es passiert eine Bildbearbeitung und zwar in der Kamera – also ist Bildbearbeitung für diesen Typ von Fotografen die Frage nach „ist Bildbearbeitung erlaubt“ bereits mit einem „Ja“ beantwortet worden.

Foto: Jörg Knörchen

Viele denken noch stets, wenn sie im JPG Format fotografieren und keine weitere Bildbearbeitung im Nachgang betreiben, sei das Foto fertig und unbearbeitet. Mag sein, dass sie es so sehen, aber im Grunde wurde das Foto bereits bearbeitet. Die Kamera interne Software, sprich die kleinste Dunkelkammer, hat aufgrund von Einstellungen und Aufnahmeparametern bereits zig Entscheidungen getroffen und eine Bildbearbeitung in Bezug auf Helligkeit, Weißabgleich, Schärfe, Kontrast und Farbesättigung getätigt. Letzten Endes war es sogar der Fotograf selbst, der die Vorgaben für diese Bildbearbeitung über die Einstellung in seiner Kamera gemacht hat.

Ich vergleiche das JPG gerne mit den Diapositiven aus der „guten alten Zeit“ meiner analogen Fotografie. Wenn ich von einem Dia einen Papierabzug haben wollte, musste ich das Bild scannen lassen, dabei war meistens ein Verlust in Kauf zu nehmen in Bezug auf Detailwiedergabe, Farbe und Qualität. So auch beim JPG, wenn ich das JPG als Grundlage zur weiteren Bildbearbeitung oder Optimierung nehme, dann leidet auch hier die Qualität des Bildes.

Foto: Jörg Knörchen

Das RAW Format wird bekanntlich auch gerne mit den Negativ aus der analogen Fotografie verglichen und nicht zu unrecht. Die Entscheidung im RAW Format zu fotografieren ist deshalb ein noch klareres „Ja“ auf diese Beantwortung der gleichen Frage ob Bildbearbeitung erlaubt ist oder nicht.

Da beim RAW-Format im digitalen Negativ fotografiert wird, benötigt das Bild auf jeden Fall eine Bearbeitung, sei es unter Umständen auch nur eine Bearbeitung mit den Einstellungen die die Kamera in das JPG-Vorschaubild des RAW Fotos gespeichert hat. Ohne eine Bearbeitung kommt das RAW-Bild weder auf den Bildschirm noch wird es ohne diese als gedruckte Version vor uns landen können.