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7Artisans -50mm – 1.1 – Erste Impressionen

Erste Impressionen ist der Titel und erste Impressionen will ich auch mal ungefiltert wiedergeben. Ich möchte noch einmal ganz klar herausheben, daß ich hier kein original Leica-Objektiv habe, sondern das 7Artisans 50mm 1.1 und der Kaufpreis von unter 400 € extrem niedrig ist. Dennoch wird dieses Glas mit einem Blenden wert von f=1.1 beworben, was im ersten Step unweigerlich den Vergleich mit einem Premiumglas impliziert. In diesem Segment gibt es meines Wissens nur EINEN Konkurrenten, und der wäre das Leica 50mm 1:0,95 Noctilux-M ASPH. für schlappe 10.500,00 € (ungefähr).

Erste Impressionen ist der Titel und erste Impressionen will ich auch mal ungefiltert wiedergeben. Ich möchte noch einmal ganz klar herausheben, daß ich hier kein original Leica-Objektiv habe, sondern das 7Artisans 50mm 1.1 und der Kaufpreis von unter 400 € extrem niedrig ist. Dennoch wird dieses Glas mit einem Blenden wert von f=1.1 beworben, was im ersten Step unweigerlich den Vergleich mit einem Premiumglas impliziert. In diesem Segment gibt es meines Wissens nur EINEN Konkurrenten, und der wäre das Leica 50mm 1:0,95 Noctilux-M ASPH. für schlappe 10.500,00 € (ungefähr).

Verarbeitung und Haptik

7Artisans 50mm, f=1.1

Nun maße ich mir nicht an ein Fachmann für Objektive zu sein, doch kann ich wohl erkennen, ob ein Handwerk ordentlich ausgeführt worden ist. Ich denke, fast jeder Mensch kann erkennen, wenn er ein Meisterwerk in Händen hält. Ich rede nicht von sog. Kunstwerken, sondern solider Handarbeit! Und da muß ich dieser Scherbe eine durchaus gute Schulnote verpassen. Natürlich darf man nie vergessen in welchem Preissegment man sich da bewegt!

Zum Einen macht es mit der Größe und dem Gewicht einen durchaus guten Eindruck. Nimmt man die Linsen mal mehr ins Visier, dann erscheinen hier auch saubere Verarbeitung. Keine nachlässig verklebten Ränder, Nähte oder irgendwo erkennbarer Fusch.

Das Glas liegt satt in der Hand und – wenn man es erst einmal auf die Kamera geschraubt hat – dann läßt es sich auch sauber bedienen. Keine Raster zu haben ist ja nicht unbedingt ein Nachteil – hier kann man sich durchaus gewöhnen. Das Fokussieren ist dagege durch den Sucher schon nicht so treffsicher. Besser geht es da mit dem LiveView (den nicht jede Leica hat!).

Ausstattung

7Artisans 50mm, 1.1

Kleine Wiederholung: Das Objektiv kommt in einer recht wertig erscheinenden Verpackung daher. Ordentliche Verpackung ist bei derart sensibler Technik auch erforderlich. Ein Pluspunkt. Die beiliegenden Datenblätter sind ausreichend. Wer allerdings tiefergehende Informationen wünscht, geht hier leider leer aus. Ich für mein Teil brauche aber derartige Infos nict, weil ich sie ja doch ignoriere und vermutlich nicht verstehen würde. Selbst bei den Proflinsen von Phase One, Nikon oder Olympus habe ich mich nur um die Eckdaten und letztendlich an den Ergebnissen orientiert.

Erfreulich finde ich, daß beide Objektivdeckel zum Lieferumfang dazu gehören. Ist das denn nicht immer so? Scheinbar nicht 😉 Der Frontdeckel ist aus schwerem Metall und saugt sich gut an der Optik fest. Wie lange das so gut hält kann ich schlecht einschätzen.

Als ein praktisches Zubehör empfinde ich den Fokusringgriff (oder wie nennt man das Teil sonst?) incl. Schlüssel. Jedenfalls ist ein Griff dabei, den man selbst noch an den Fokusring anschrauben kann (!), um eine bessere Führung zu haben. Praktisch, aber ich finde überflüssig, da man den Ring sehr gut fühlt und weich bewegen kann.

Technische Daten

  • Gewicht   –   398 Gramm
  • Brennweite   –   50 mm
  • manueller Fokus
  • Farbe   – wahlweise schwarz oder silbermetallic
  • Konstruktion   –   6 Gruppen 7 Elemente
  • Lamellen   –   13Filterdurchmesser   –   55 mm
  • Mindestabstand   –   0,7 m
  • Blende   –   f=1.1 bis f=16

Erster Praxistest

Ich selbst nutze an meiner Leica ein Voigtländer 35mm 2.0 und ein Leica Elmarit 28mm mit f=2.8. Alles nicht die absoluten Sahnestücke, aber durchaus gute Objektive. Klein, leicht, unauffällig und für den Straßeneinsatz absolut tauglich. Was mir noch fehlt ist ein Objektiv für die Straße – und bei der Gelegenheit wäre es auch schön, wenn es portraittauglich wäre. Für mich heißt dies, es sollte auch offenblendig sauber und scharf funktionieren – Streets sind da eher in Bereich 4 – 5.6 oder mehr auf der sicheren Seite. Also wäre ein 0.95er ja wirklich Verschwendung (oder doch nicht?).

Na ja, mit dem 7Artisans habe ich ja fast ein Noctrilux in der Hand – theoretisch, oder etwa nicht?. Doch leider habe ich grad mal eben keines zur Hand. Doch in Düsseldorf ist eines vorrätig. Bei Leistenschneider nahe der Kö könnte ich mir vielleicht eines mal anschauen – theoretisch. Bislang sah ich diesen Händler immer nur auf Messen – und da habe ich i.d.R. für Reseller kaum

Mitten im Store des Originals bei Leistenschneider in Düsseldorf

Zeit.

Aber was solls. Mach ich doch einen Ausflug nach Düsseldorf (wenns sich nicht vermeiden läßt) und schaue mal, was möglich ist. Nebenbei ein paar Streets können auch nicht schaden. Das Wetter ist trocken, also los geht’s.

Vor Ort im Einsatz

Düsseldorf bereise ich nur, wenn es sich nicht vermeiden läßt. Und zwischen Weihnachten und Neujahr diesen Trip zu  machen, ist nicht die beste Idee. Doch irgendwann fanden wir ein Parkplatz, zwängten uns über die Kö, bemerkten verwirrt, wie Kunden in einer Schlange vor einem Luxusladen auf Einlaß warteten als gäbe es etwas umsonst.

Doch in den Schadow-Arkaden bei Leistenschneider legte sich dann der Trubel etwas. Auch hier war es voll, doch in der “Leica-Ecke” (sehr chic) war ich König 🙂 und der einzige Kunde mit eigenen Verkäufer. Cool, so gefällt es mir. Freundlich und sehr hilfsbereit drückte mir der Verkäufer dann auch gleich das 10.000 Euro Teilchen von Leica in die Hände. Leider hätte er es nur in silbern grad da … hüstel. Ich hatte gleich mal fair vorausgeschickt, daß ich das ORIGINAL mal sehen wollte – echt nur sehen. Na und er ließ mich sehen, testen, Probeaufnahmen machen und sah kommentarlos, wie ich mit beiden Objektiven hantierte. Der Profi hatte sofort erkannt, was ich da auf meiner 240er hatte und war völlig entspannt. Er kannt es und war sich schon sicher, was mein Ergebnis anbelangen würde … klar, bei über 10.000 € Unterschied muß man ja irgend etwas finden können.

So ganz nebenbei habe ich einen weiteren Laden gefunden, den man sich mal genauer ansehen sollte. Aber zurück zum Vergleich:

Der ganz praktische Praxistest

Nun stehe ich also im Laden, meine Frau ist nebenan und schaut sich Dekozeugs an und ich habe Zeit und Gelegenheit zum Vergleich. WOW. Der Verkäufer ist völlig entspannt. Überläßt mir ein Objektiv und vertraut mir offenbar. Er wendet sich sogar von mir ab, um einem fragwürdigen Zeitgenossen, der sich der offenen Vitrine zuwenden will, mal eben den Spaß zu verderben. Und plötzlich hat dieser auch kein Interesse mehr an der Fotografie. “Mistkerl” denke ich (und meine den Besucher).

  1. Zuerst mache ich mal ein paar Aufnahmen aus der kurzen Distanz (~ 2 Meter) in Richtung der Ausstellung. Ich habe natürlich kein Stativ im Einsatz, doch die kurzen Belichtungszeiten bei ISO200 sollten recht brauchbar aus der Hand gehen können. Gnadenlos stelle ich scharf auf ein Poster vor mir und dann auf die Auslage – und da immer auf dieselbe Kamera. Offenblende ich Trumpf. Beide Objektive sollen zeigen, wo der Hammer hängt.
  2. Danach werden die Aufnahmen am Kameradisplay betrachtet – nicht unbedingt die allererste Sahne, aber für eine erste Beurteilung sollte es reichen.
  3. Danach werde ich dann schauen, mit welchen Maßnahmen ich noch die Unterschiede angleichen kann – und wieweit dies überhaupt möglich ist. (man darf ja träumen)
Aufnahme mit den Leica Notirilux 0.95 bei offener Blende 0.95

Ich muß euch sagen: Das Ergebnis war noch erschütternder, als ich es vermutet hatte. Das Leica Noctilux hat derart souverän das Feld behauptet, daß ich von den Socken bin. Ich konnte dermaßen schnell und zielsicher den Fokuspunkt setzen, es gab keinen einzigen Ausfall, daß es eine reine Freude war. Klar, bei dem Kaufpreis darf man das auch erwarten. Noch nie habe ich im manuellen Modus derart schnell gearbeitet.

Hier noch eine Detailaufnahme aus o.g. Foto

Detail aus der Aufnahme mit dem Notrilux 0.95

 

 

Als nächstes kam das 7Artisans dran. Gleiche Entfernung, gleiche Objekte, gleiches Licht und los geht:

Poster geknipst, hmm, das Fokussieren fällt etwas unsicher aus. Ich habe in beiden Fällen durch den Sucher gearbeitet, weil es auch zur Standardarbeitsweise für mich gehört. Im zweiten Gang ging der Fokus auf die Auslage und dort ebenfalls auf den Kamerabody. Doch auch dort war das Fokussieren nicht so souverän zu erledigen. Vielleicht ist es eine Übungssache oder aber auch eine Frage der Kalibrierung. Nicht umsonst ist eine Kalibrieranleitung der Lieferung beigefügt. Doch auch bei “bester” Schärfe sind die Bilder unscharf (man kann es auch “weich” nennen).

Aufnahme mit dem 7Artisans bei Blende 4 endlich scharf

Man kann sich denken, daß ich schon etwas enttäuscht bin. Auch wenn man sich immer wieder sagt, es sei ja kein Vergleich möglich, da wir hier zwei Preissegmente haben, die Lichtjahre auseinander liegen …

Detailaufnahme mit dem 7Artisans bei Blende 4 ist erst brauchbar

Armer Mann, watt nu?

War es nun ein Fehlkauf? Soll ich es zurück schicken? Wurde ich betrogen?

Sich an dieser Stelle aufzuregen wäre kindisch und falsch. Ich habe 323 engl. Pfund ausgegeben für ein 50mm Objektiv. Was kann man da erwarten? Klar, es steht auf dem Karton was von Blende 1.1, doch ist dies nicht mehr als ein Marketing-Gag.

Wer ernsthaft glaubt, er bekäme hier ein Luxusobjektiv, der muß sich irren und bekommt die Rechnung spätestens, wenn er mal ein richtig gutes Glas aufschraubt. Diese Erkenntnis ist nicht neu und kann auf alle möglichen Lebensbereiche ausgeweitet werden. Wer billig kauft, der kauft zweimal (oder noch öfter). Geiz ist NICHT geil. Im Gegenteil.

Doch was bleibt mir da übrig? Wann liefert dieses Objektiv akzeptable Ergebnisse? Nie? Ist es Schrott in wertiger Verpackung? Liegt hier eine Verbrauchertäuschung vor? Wie lautet die Lösung?

Mein total subjektives Fazit

Ich denke, ich habe bekommen, wofür ich bezahlt habe. Aber leider habe ich nicht bekommen, was ich erhofft hatte: ein super offenblendig arbeitendes Objektiv für kleines Geld. Der qualitative Abstand zu einem Notrilux ist einfach unüberbrückbar. Leider wußte ich vorher nicht auf welchem Level sich hier Leica bewegt. Na ja, man lernt nie aus.

Doch so komplett schrottig ist das 7Artisan 50mm garnicht. Wenn man die Blende leicht schließt (so ab 2.8 und mehr), dann werden die Bilder nicht mehr so weich und wirken scharf. Immer noch nicht so knackig, wie ein Leica-Glas, doch kann ein gewisser Softlook durchaus gefallen. Nicht immer ist absolute Schärfe erforderlich oder gar gewünscht. Man betrachte mal die Fotos der Urväter, die Geschichte machten. Die meisten Fotos würden den Shitstorm in den sozialen Medien heute nicht mehr überleben. Ein gutes Foto ist mehr, als nur Schärfe. Ungewollte Unschärfe ist allerdings auch keine Antwort.

Eine echte Kaufempfehlung kann ich hier nicht aussprechen. Dennoch werde ich das Objektiv weiter untersuchen. Vielleicht ist es nicht offenblendig der Hero. Doch geben wir den Sieben Handwerkern (7Artisans) eine Chance. Ich werde es mal kalibrieren und dann die anderen Aufnahmesituationen probieren. Street, Studio, Portrait und Landschaften sollen das Betätigungsfeld sein. Und da kommen ganz anderen Blenden zum Einsatz – hier scheint es noch was zu entdecken zu geben.

Bleiben wir gespannt

Zu guter Letzt

Meine allerbeste Ehefrau hatte schon leichte Panik in den Augen. Ob ich jetzt nicht mehr die Phase One “lieben” würde. Das ist natürlich Unsinn. Meine Entscheidung für das Mittelformat und damit logischerweise für Phase One ist ungebrochen. Bewegen wir uns da aber auch in einem völlig anderen Segment. “Nein, mein Schatz, Phase One ist immer noch mein Favorit und ich könnte mir eher vorstellen, hier mal ein Kameraupgrade zu machen, denn ein 10T€ Objektiv für ne alte Leica.”. Warum sie dieses Statement nicht restlos beruhigt hatte, kann ich noch nicht ganz ergründen … aber wer versteht schon seine Frau 😉

Das wirklich allerletzte

Ich habe kein Geld oder Sachzuwendungen für meinen Test bekommen. Weder Leica, noch 7Artisans (oder wer da verantwortlich ist) oder der Fotohändler Leistenschneider in Düsseldorf haben sich dazu gemüßigt gefühlt – LEIDER 😉

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